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Suffizienz und Abfallberatung

Was haben Suffizienz und Abfallberatung miteinander zu tun? Ein Beitrag zu einer Diskussion über moderne Nachhaltigkeit.

Noch vor Weihnachten am 1. Dezember 2010 veranstaltete das TTW in München die Tagung Klimaforum 2010 "Wasser und Klima – die Zukunft der Planung". Das Projekt Technologietransfer Wasser - TTW wurde 1999 im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit (StMUG) zur Unterstützung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Wasserwirtschaft entwickelt und wird seit kurzem vom Landesamt für Umwelt LfU fortgeführt.

Ca. 150 Personen aus Wissenschaft, öffentlichen Einrichtungen und Wirtschaft informierten sich auf der hochkarätig besetzten Veranstaltung über die Verminderung von Treibhausgasemissionen, Anpassungsstrategien Bayerns an den Klimawandel und aktuelle Forschungsvorhaben.

Besonders durch die Vorträge von Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich, Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen und Dr.-Ing. Martin Grambow Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit wurden konkret Herausforderungen für Wissenschaft und Politik angesprochen, die uns alle angehen.

Dabei kam mehr oder weniger unvermutet die Unvereinbarkeit von „Wachstum“ und „Nachhaltigkeit“ in das Blickfeld der Tagung.



Um den wesentlichen Kern dieser Aussage, einer Diskussion, leichter zugänglich zu machen, werden die beiden Vorträge und ihr Hintergrund nachfolgend kurz zusammengefasst.

Zunächst stellte Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich das Credo der Energieeffizienz in Frage. Nachfolgender Auszug aus seinen Folien zeigt die Aussichtslosigkeit der Effizienzsteigerung am Beispiel des Individualverkehrs.



Martin Faulstich (auch ForumZ Beirat) wies in der Konsequenz auf die Schadstoff­problematik eines 1-Literautos zu 1 €/l hin („...das Schlimmste was der Umwelt passieren kann...“).
Siehe auch: M. Faulstich; 2010; Klimawandel: Herausforderungen für Wissenschaft und Politik; in Klimaforum 2010, Tagung des TTW in München, 20 Folien.

Martin Grambow führte in unserer ansonsten Technik-verliebten Welt die Begriffe "Religiosität und Spiritualität" ein und erweiterte folgerichtig das bekannte Nachhaltigkeitsdreieck in ein Raumgebilde. Ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur deutschen Leitkultur.



Siehe auch: M. Grambow; 2010; Der Umgang mit dem Klimawandel im globalen Kontext IWRM als Lösung? In Klimaforum 2010, Tagung des TTW in München, 6 Folien.

Beide Referenten berufen sich auf Ernst Ulrich von Weizsäcker, der wie das Video zur Vorstellung seines Buchs "Faktor 5" http://www.youtube.com/watch?v=YC3_ha1zED0 belegt, „Jede Effizienz...“ als „...eine Einladung zu mehr Nutzung!“ proklamiert.

Als Beispiel dient von Weizsäcker die Effizienzverbesserung der Dampfmaschine von James Watt, die mit ihrer Einführung im 18. Jahrhundert ungefähr eine Vervierfachung der Kohlenutzungseffizienz bedeutete, was aber nicht etwa zu einer Absenkung des Kohlebedarfs geführt hat, sondern in etwa zu einer Verzehnfachung des Kohleverbrauchs.

Erst wenn der Nachhaltigkeitsbegriff - wie hier durch Grambow geschehen - erweitert wird, kann die Unvereinbarkeit von „Wachstum“ und „Nachhaltigkeit“ durch „Suffizienz“ aufgelöst werden.

Mit allgemeinem Kopfnicken im Publikum wurde der Begriff der Suffizienz ein wenig schnell abgehandelt und erst Prof. Göttle, Präsident des Landesamtes, brachte den Begriff mit "gut leben - aber nicht alles haben müssen" wieder auf den Punkt.

Aber was bedeutet gelebte Suffizienz

- für unsere Umweltpolitik
- für kommunale Abfallwirtschaft
- für unser Wirtschaftssystem?

„Suffizienz (von lat. sufficere – ausreichen) steht in der Ökologie für das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch. Erreicht werden soll das durch eine geringe Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, insbesondere nach solchen, die einen hohen Ressourcenverbrauch erfordern.“ (aus Wikipedia).

Das Wuppertal-Institut schreibt zum Thema Öko-Suffizienz u.a.:[2]

Suffizienz ist die Frage nach dem rechten Maß.

Nachhaltigkeit ist nur mit einer dreifachen Strategie zu erreichen. Öko-Effizienz, also die Erhöhung der Ressourcen-Produktivität, ist weithin anerkannt. Konsistenz bezeichnet den Übergang zu naturverträglichen Technologien, die die Stoffe und die Leistungen der Ökosysteme nutzen ohne sie zu zerstören. Beide Strategien kommen erst zum Ziel, wenn sie von Öko-Suffizienz flankiert werden. Gemeint ist damit eine Lebens- und Wirtschaftsweise, die dem Überverbrauch von Gütern und damit von Stoffen und Energie ein Ende setzt.

Die Erkenntnis leitenden Fragen einer Öko-Suffizienz-Forschung heißen:

Welche persönlichen, sozialen und politischen Bedingungen stehen einer Orientierung an maßvollen Verbräuchen im Wege, und wie lassen sich diese Hemmnisse überwinden?

Mit welchen Einsichten und Handlungsweisen lassen sich Weniger- und Anderverbrauch von Ressourcen in die Breite der Bevölkerung vermitteln?

Auf welche Weise ist das herrschende Wohlstandsverständnis in seiner starken Bindung an materielle Güter so veränderbar, dass eine die natürlichen Lebensgrundlagen schonende Entwicklung in der Gesellschaft Wurzeln schlagen kann?

Welche wirtschaftlichen und sozialen Folgen hat ein maßvolles Handeln in Haushalten, Unternehmen und Institutionen für Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftswachstum?

In einem anderen Video erläutert Ernst Ulrich von Weizsäcker den Begriff der Suffizienz mit einem Vergleich zwischen französischer Esskultur und amerikanischem Fast Food:

„Suffizienz heißt nicht in Jammer und Armut leben, sondern neue Formen von Glück zu finden außerhalb der Fettsucht.“

Viele neue spannenden Aufgaben für eine kommunale Abfallberatung.

Werner P. Bauer

 




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