Sonntag, 17.12.2017
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Zeichen setzen gegen Wegwerfmentalität

Am Samstag beginnt die Europäische Woche der Abfallvermeidung – Europas größte Kommunikationskampagne zu Abfallvermeidung und Wiederverwendung. Das Jahresmotto: „Gib Dingen ein zweites Leben – Reparatur in Deutschland stärken“. Auch im achten Kampagnenjahr kann die Aktionswoche einen Teilnehmerrekord verzeichnen: Über 1.000 Aktionen finden 2017 in ganz Deutschland statt.

Dazu der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp: „Die große Beteiligung zeigt: Es besteht ein starkes gesellschaftliches Interesse an Abfallvermeidung. Die Menschen wollen ein Zeichen setzen gegen Wegwerfmentalität und für mehr Ressourcenschutz."

Handlungsbedarf besteht: Pro Kopf und Jahr fallen in Deutschland rund 618 Kilogramm Abfall an – das ist gut doppelt so viel wie in Polen, Estland oder der Slowakei. Hasenkamp weist auf die Folgen des Konsums hin: „Jedes Produkt, das wir wegwerfen, wurde mit Einsatz von Ressourcen und Energie produziert und transportiert. Die Klimakonferenz hält uns vor Augen: Wir müssen Emissionen eindämmen. Abfallvermeidung ist dafür ein wichtiger Baustein. Recycling ist gut. Am besten ist jedoch, wenn der Abfall erst gar nicht entsteht."

Die Aktionswoche soll Bürgerinnen und Bürgern Impulse für Abfallvermeidung geben. Insbesondere bei Elektrogeräten und Elektronikartikeln gibt es ein großes Potenzial: Untersuchungen zeigen, dass diese nur relativ kurz genutzt werden. Die Ursachen sind vielfältig. Verantwortlich dafür sind unter anderem kürzere Innovationszyklen, außerdem gehen viele Produkte schnell kaputt. Während der Woche öffnen daher allein über 100 Repair Cafés ihre Pforten, in denen Interessierte lernen können, wie sie diese Dinge reparieren können, anstatt sie wegzuwerfen.

Hasenkamp mahnt jedoch: „Abfallvermeidung beginnt nicht, wenn sich jemand entscheidet, einen Gegenstand zu reparieren, sondern viel früher. Wir brauchen klare Vorgaben für die Industrie. Produkte müssen abfallsparend produziert und langlebig konstruiert werden. Ein geeignetes Instrument dafür ist die europäische Ökodesignrichtlinie." Auch auf nationaler Ebene wünscht sich Hasenkamp Vorgaben: „Die Verbraucher benötigen Angaben darüber, wie lange ein Produkt hält. Die Information können sie in ihre Kaufentscheidung einbeziehen. Ein weiteres Instrument wäre, kleine Reparaturdienstleistungen zum Beispiel mit einem geringeren Mehrwertsteuersatz zu versehen. Das machen schon jetzt viele EU-Mitgliedstaaten."

Hintergrund:

Europaweit findet die Abfallvermeidungswoche jährlich in über 30 Ländern mit vielen Tausenden Aktionen und Projekten in der letzten Novemberwoche statt. Ihr Fokus: praktische Wege aus der Wegwerfgesellschaft aufzeigen. Alle Europäer*innen sollen dafür sensibilisiert werden, mit Alltagsgegenständen und dem Ressourcenverbrauch bewusster umzugehen und wo es geht, Abfälle zu vermeiden. Die Aktionswoche lebt von lokalen Aktionen zur Abfallvermeidung: von Vereinen, Behörden, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Unternehmen und Privatpersonen. Alle Aktiven und Projekte präsentieren sich auf der Website www.wochederabfallvermeidung.de/aktionskarte.
In Deutschland wird die Kampagne mit Mitteln der Europäischen Klimaschutzinitiative finanziert. Das Umweltbundesamt (UBA) ist der fachliche Ansprechpartner. Koordiniert wird die Kampagnenwoche vom Verband kommunaler Unternehmen.


Liste ausgewählter Aktionen:

  • Buntwäsche Textildruck & Stickerei, Kirchlengern, NRW: „Reparieren statt entsorgen" – „Wir reparieren kostenfrei die Arbeitsbekleidung unserer Kunden bevor diese einfach weggeworfen und durch uns neu produziert werden muss."
  • Mein Macher, Reutlingen, Baden-Württemberg und an 200 Standorten in Deutschland: „Fragen kostet nix" – Kostenlose Beratung während der Abfallvermeidungswoche: „Unser Antrieb für die kostenlose Reparaturberatung ist die Bedeutung der Reparatur für die ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit. Mit einer Reparatur wird die Nutzungsdauer von Geräten verlängert und damit auch jede Menge Müll vermieden."
  • Geschwister-Scholl-Oberschule Bad Laer, Niedersachen: „Let's MINT Reparierwerkstatt – Schüleraktionstage: Reparieren statt wegwerfen". Schüler lernen das Reparierhandwerk und rufen Mitschüler zur Aktion gegen die Wegwerfkultur auf.
  • Abfall-Service Osterholz GmbH, Osterholz-Scharmbeck, Niedersachsen: „Woche der Reparaturen" – „In Osterholz-Scharmbek stehen ehrenamtliche Reparaturexperten Interessierten mit Rat und Tat zur Seite."
  • Verbraucherzentrale NRW, Düsseldorf und über 60 weitere Orte: „NRW repariert" – „Schon beim Einkauf, zum Beispiel von Weihnachtsgeschenken, können Sie darauf achten, dass Produkte später gut reparierbar und damit langlebig sind."
  • Secondhand-Kaufhaus Neufundland, Frankfurt, Hessen: „Reparatur-Tage" – „Es gibt eine PC-Sprechstunde und Tipps & Tricks vom Spezialisten, zum Beispiel zur richtigen Pflege von elektrischen Haushaltsgeräten für eine längere Lebensdauer und Energieeinsparung."
  • Stadtreinigung Leipzig & Co., Sachsen: „Nicht immer gleich wegwerfen" – Großes Tausch- und Reparier-Event in der Leipziger Innenstadt.
  • GML Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH Ludwigshafen, Rheinland-Pfalz: „DIE APOLOGETEN DES WACHSTUMS": „Konsumenten werden an den Ort
    geführt, an dem die Folgen ihres eigenen Konsums enden und sollen dort zur Beschäftigung mit diesem Thema (und dem eigenen Konsumverhalten) angeregt werden!"
  • Hertel Hähnchen, Jüterbog, Brandenburg und an über 200 weiteren Standorten in Deutschland: „Unverpackt direkt in den Topf" – Grillspezialitäten direkt in den mitgebrachten Topf füllen lassen. Die gesparten Ausgaben für Verpackungen werden nach der Aktionswoche gespendet.
  • Bluepingu e.V. , Pommelsbrunn und in anderen Städten Frankens, Bayern: „Sei ein Beuteltier – spar Dir die Tüte!" „In Kooperation mit verschiedenen Bäckereien werden wir zur Benutzung von Stoffbeuteln aufklären und kostenlos Beutel verteilen."




Copyright: © VKU (16.11.2017)
 
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